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.NET C# Java Javascript Exception

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Anfang September auf der SoCraTes-Konferenz stellte sich ein Teilnehmer mit diesem Satz vor: “I love to code, but I have to coach.” Viele Anwesende stimmten durch Gemurmel oder eindeutige Gesichtsausdrücke zu. Es findet sich hier ein durchaus gängiges Muster. Ein sehr guter Entwickler wird zum Coach, weil nur so höhere Gehälter zu erzielen sind. Und […]

Anfang September auf der SoCraTes-Konferenz stellte sich ein Teilnehmer mit diesem Satz vor:

“I love to code, but I have to coach.”

Viele Anwesende stimmten durch Gemurmel oder eindeutige Gesichtsausdrücke zu. Es findet sich hier ein durchaus gängiges Muster. Ein sehr guter Entwickler wird zum Coach, weil nur so höhere Gehälter zu erzielen sind. Und so landen Entwickler in Coaching-Jobs, die sie eigentlich nicht wollen.

Ich selbst habe mich auch immer – zumindest zum Teil – dazu gezählt. Ich hatte aber auch immer Spaß beim Coachen und Trainieren. Vor ein paar Jahren habe ich versucht, das für mich klar zu kriegen und dafür eine Vision für mich geschrieben. Hier einige Auszüge daraus:

Ich möchte mich in meinem beruflichen Leben kontinuierlich weiterentwickeln und wünsche mir Anerkennung meiner Arbeit und meiner Person. Dazu möchte ich in motivierten agilen Teams anspruchsvolle Software-Produkte entwickeln. Dabei spielt für mich ein großer Gestaltungsspielraum eine ebenso wichtige Rolle wie der enge Kontakt mit den Kunden/Anwendern. Meiner Meinung nach können nur im engen Kontakt zu Kunden/Anwendern Lösungen entstehen, die die Bedürfnisse der Kunden/Anwender befriedigen.

Das in den Projekten Erlernte möchte ich reflektieren und vergegenständlichen, als wichtige Elemente meiner Weiterentwicklung. Für das Vergegenständlichen funktioniert das Schreiben von Artikeln und Büchern sowie das Halten von Vorträge und Schulungen gut für mich.

Wie man sieht, stand das Programmieren im Zentrum. Alles, was sich um Coaching und Training drehte, war ein Anhängsel oder gar nicht erkennbar. Als ich die Vision aufgeschrieben habe, ist mir natürlich aufgefallen, dass diese Vision nicht wirklich zu meinem Job als Coach passte. Aber irgendwie fühlte ich mich mit dem Coaching-Job dann auch nicht so unglücklich. Tatsächlich war es sogar so, dass ich für Coachings und Trainings viel mehr Anerkennung erhalten habe als jemals zuvor für Programmierung.

Der oben zitierte Ausspruch auf der SoCraTes-Konferenz hat mich erneut an meine Vision erinnert und mein zwiegespaltenes Verhältnis zum Coaching. Ich habe das zum Anlass genommen, nochmal über meine persönliche Vision zu reflektieren. Dabei ist mir klar geworden, dass die Anerkennung nur eines meiner Bedürfnisse ist. Das andere Bedürfnis schien bereits in der originalen Vision durch: “Bedürfnisse von Anwendern befriedigen”. Tatsächlich geht mein Bedürfnis noch weiter: Ich möchte Fußspuren hinterlassen, etwas verändern, einen Impact haben. Das geht über die Entwicklung von Software. Aber wenn ich ehrlich bin, war das meistens nicht der Fall. Die meisten Systeme hatten keine nennenswerte Auswirkung. Das geht viel einfacher, wenn ich als Coach und Trainer arbeite! Tatsächlich glaube ich, dass ich durch meine Arbeit nicht nur Unternehmen wirtschaftliche Vorteile sondern nebenbei auch die Arbeitssituation vieler Entwickler verbessert habe.

Seit mir das klar geworden ist, fühle ich mich viel besser in meiner Rolle als Coach und Trainer. Trotzdem habe ich auch weiterhin Spaß am Programmieren. Nicht umsonst investiere ich viel Zeit in CodersDojo. Ich würde aber nicht mehr jedes Programmierprojekt machen wollen. Es sollte schon herausfordernd sein und in Clojure oder mindestens Ruby entwickelt werden. Und wahrscheinlich würde ich mich auf jeden Fall in die Product-Owner einmischen wollen. Wer so ein Projekt zu bieten hat, kann sich gerne bei mir melden. Solange mache ich meine Hobby-Projekte und bin als Coach und Trainer glücklich.

P.S.: Ich weiß von Beraterkollegen, dass sie nicht sehen, dass sie Anerkennung für ihre Coaching-Arbeit bekämen oder wirklich etwas verändern würden. So ging es mir am Anfang meiner Beratertätigkeit auch häufig. Mit der Zeit sind diese Situationen aber immer seltener geworden. Vielleicht muss man nur lange genug durchhalten, bis man die nötige Erfahrung hat :-)

 


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