Etwas anders stellt sich aus programmtechnischer Sicht die Nutzung von Google-Earth dar. Hier erfolgt der Zugriff auf die Daten nicht über den Browser, sondern über die spezielle Client-Software Google-Earth, die es für alle gängigen Plattformen (Windows, Linux und Mac) gibt. Die Basis-Version ist kostenlos, daneben gibt es noch eine kostenpflichtige Plus- und Pro-Version. Die Plus-Version erlaubt zum Beispiel die Integration von GPS-Daten und Ausdrucke in höherer Auflösung. Bei der Pro-Version kommen noch zahlreiche Add-ons wie zum Beispiel ein Movie-Maker dazu.
Neben den Bilddaten stellt Google-Earth noch eine ganze Reihe von Vektor-Daten zur Verfügung, mit denen man die Grundansicht auf Wunsch überlagern kann. Dazu zählen Straßen und andere Verkehrsinfrastrukturen sowie Hotels, Restaurants oder Sehenswürdigkeiten. Auch für geografische Besonderheiten wie Seen, Vulkane oder Gletscher gibt es Overlays.
Eigene Datensammlungen
Genau hier beginnt die Sache für eigene Entwicklungen interessant zu werden. Diese Geodaten sind nämlich in einem speziellen Format, der Keyhole Markup Language (KML), abgespeichert. Die Schnittstelle ist offen zugänglich und gut dokumentiert. Das XML-basierte KML-Format eröffnet ein breites Spektrum für eigene Anwendungen, die man Dritten entweder per E-Mail oder als klassischen Link auf einer Website zur Verfügung stellen kann.
Die einfachste Form einer Overlay-Datei ist der Placemark, den man an einer beliebigen Stelle von Google-Earth setzen kann. Dazu ist es nicht einmal notwendig, tiefer in die XML-Materie einzusteigen, da der Google-Earth-Klient alle notwendigen Hilfsmittel zur Verfügung stellt.
Zuerst sucht man den Ort, den man markieren will und zoomt auf die gewünschte Auflösung. Dann wählt man aus der oberen Toolbar das Icon für „Ortsmarke hinzufügen“ und positioniert den Marker an der gewünschten Stelle. Im Dialogfenster, das gleichzeitig erscheint, kann man zu dem Placemark noch ein paar Parameter hinzufügen. Vor allem sollte man dem Kind einen Namen geben. Als nächstes steht im Feld „Beschreibung“ noch ausreichend Raum zur Verfügung, um die Markierung mit weiteren Detailangaben zu versehen. Ein Kurzportrait der Firma ist ebenso möglich wie ein Link auf die Homepage. Der Text lässt sich auf Wunsch auch mit HTML-Markup aufpeppen. Außerdem ist es möglich, ein anderes Marker-Symbol zu wählen, dessen Farbe, Größe und Transparenz zu verändern oder die Beschriftung in ähnlicher Weise zu manipulieren.
Als Ergebnis erscheint der neue Placemark links im Navigationsbereich unter der Rubrik Orte. Um diesen Placemark nun an Dritte zu kommunizieren, stehen Ihnen zwei Wege offen. Wollen Sie ihn nur einem einzelnen oder einer Gruppe von E-Mail-Adressaten zukommen lassen, rufen Sie einfach das Kontextmenü zu diesem Eintrag auf und wählen dort die Option E-Mail. Damit versenden Sie ihren Placemark an die gewünschten Empfänger.
Wollen Sie den Placemark dagegen zum Beispiel als Link auf der Kontaktseite Ihrer Website platzieren, müssen Sie Ihn speichern (ebenfalls via Kontextmenü). Google-Earth produziert bei diesem Schritt automatisch ein KMZ-File. Es handelt sich dabei um die gepackte Variante des dahinter stehenden KML-Files. Wollen Sie einen Blick auf die XML-Struktur Ihres Placemarks werfen, müssen Sie das File einfach entpacken. Dann können Sie mit jedem beliebigen Editor aufrufen.
Das Einbinden des Files erfolgt in klassischer Weise, zum Beispiel so:
<a href=“http://www.meinedomain.de/test.kmz“>So finden Sie uns</a>
Klickt nun ein Besucher, der den Weg zu Ihnen sucht, auf diesen Link, wird automatisch Google-Earth gestartet (eventuell über den Zwischenschritt Download-Dialog) und der definierte Placemark erscheint.
Nun könnte man sich fragen, ob sich der Aufwand lohnt oder ob nicht ein einfacher Stadtplanausschnitt denselben Zweck erfüllt. Ein Nachteil ist in jedem Fall, dass für die Nutzung der Google-Earth-Klient installiert sein muss. Das könnte sicher ein Problem sein, da dessen die Verbreitung sich noch nicht mit der zum Beispiel des Media-Players von Microsoft oder des Flash-Players messen kann.
Aber gewaltige Vorteile lassen sich auch ins Feld führen: Mit einem Mausklick kann sich der Besucher nämlich einen kompletten Routenplan von seinem Ausgangsort zusammenstellen lassen und auf Wunsch vorher die gesamte Strecke auch abfliegen.
Das Beispiel Anfahrtsskizze auf der eigenen Site ist jedoch ohne Zweifel eher der Trivial-Kategorie zuzuordnen, das auch eher als Exempel für die Overlay-Technik von Google-Earth dienen sollte. Die kann nämlich noch wesentlich mehr.
Placemark-Sammlungen
So ist es zum Beispiel ohne weiteres möglich, hierarchisch strukturierte Sammlungen von Placemarks zusammenzustellen und diese dann zum Beispiel als virtuelle Reiseführer auf einer Website zu präsentieren. Die Sehensürdigkeiten entlang des Rheins oder der Donau können dabei genau so ein Thema sein wie ein Adventure-Trip durch die Wüste von Nevada.
Was auf diesem Sektor schon alles realisiert wurde, kann man unter www.googleearthhacks.com erkunden. Hier gibt es Tausende von Zusammenstellungen von Sehenswürdigkeiten, Naturwundern und historischen Orten. Ein gutes Beispiel für die Verlinkungsmöglichkeiten von Google-Earth-Placemarks mit anderen Webseiten ist das Projekt »Geokoordinaten aus Wikipedia für Google Earth«. In Wikipedia wurden schon zahlreiche Artikel mit geographischen Koordinaten versehen. Im Rahmen des Projekts wurden diese Daten gesammelt und in eine Placemark-Sammlung eingebracht. Damit ist es einfach möglich, zu jeder Markierung einen passenden Artikel in Wikipedia per Mausklick aufzurufen.
Bild-Overlays
Eine weitere interessante Technik, die Google-Earth bietet, ist die Möglichkeit von Bild-Overlays. Mit Hilfe dieser Technik könnte man zum Beispiel den Reiseführer »Sehenswürdigkeiten entlang der Donau« durch Bilder der einzelnen Sehenswürdigkeiten ergänzen. Ein Hotelführer könnte damit die einzelnen Placemarks mit den Häusern illustrieren.
Die Umsetzung ist fast ebenso einfach wie das Setzen eines Placemarks. Zuerst muss man die Stelle und die Auflösung wählen, an der das Bild erscheinen soll. Dann wählt man das Werkzeug Bild-Overlay hinzufügen
aus der oberen Toolbar. Das eingebundene Bild muss natürlich auf einem Webserver zur Verfügung stehen. Den Link auf das Bild setzt man im entsprechenden Feld der Dialogbox. Wie beim Setzen eines Placemarks kann man hier natürlich im Eigenschaftsfeld ebenfalls eine umfangreiche Beschreibung mit HTML-Formatierung und inklusive Links unterbringen.
Die hohe Kunst dieser Technik kann man in den einschlägigen Google-Earth-Foren und –Communities in Erfahrung bringen. Hier findet man zum Beispiel maßstabsgerechte Bildüberlagerungen mit Luftbildern aus dem zweiten Weltkrieg. Die Transparenz des darüber gelegten Bildes kann der Betrachter übrigens per Schieberegler individuell einstellen.
Aber nicht nur für historisch Interessierte ist die Technik von Nutzen. Auch geplante Baumaßnahmen der Gegenwart lassen sich durch die Kombination von Satellitenbild und Plan optimal präsentieren.
XML-Technik
Alle genannten Techniken lassen sich mit Hilfe der im Google-Earth-Klient integrierten Tools interaktiv anwenden. Das Ergebnis ist immer ein KMZ-File. Man kann die Sache jedoch auch umgekehrt angehen und mit Hilfe geeigneter Editoren ein KML-File erstellen, das das gewünschte Overlay in Google-Earth realisiert.
Zum Einstieg sieht man sich am besten einen interaktiv erstellten Placemark an. Eine einfache Markierung des Domes zu Fulda produziert zum Beispiel folgendes KML-File:
Ein Placemark beginnt mit dem <Placemark>
-Tag. Bezeichnungs- und Beschreibungs-Tags sind selbsterklärend. Die Parameter für den so genannten Kamera-View (Koordinaten sowie optionale Höhenangaben und Draufsichtsoptionen) sind mit <LookAt>
markiert. <styleUrl>
verweist auf den verwendeten Markierungs-Icon. Hier kann man sich entweder der Standard-Bibliothek von Google-Earth bedienen oder auf ein Icon auf dem eigenen Server verweisen. Die genaue Position des Placemarks schließlich wird mit dem <Point>
-Tag markiert.
Eine umfangreiche Dokumentation zum KML gibt es unter code.google.com/apis/kml/documentation/
. Hier sind alle möglichen Tags aufgeführt und mit Beispielen erläutert.
Solche KML-Files lassen sich auch dynamisch generieren, zum Beispiel mit Hilfe von PHP. Das folgende Beispiel-Skript generiert zum Beispiel einen Placemark per Zufall:
Aufgerufen wird das Skript aus Google-Earth via Netzwerk-Link. Dazu wird das entsprechende Werkzeug aus der Toolbar aufgerufen und im Feld Link
der Dialogbox der URL zu dem Skript angegeben. Mit dieser Option lassen sich natürlich noch wesentlich umfangreichere Applikationen erstellen, zum Beispiel eine Placemark-Sammlung, deren Daten aus einer MySQL-Datenbank zusammengestellt werden.
webphp
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