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mac-developer: Alex, was sind aus Entwicklersicht die wichtigsten Neuerungen in iOS 4?

Alexander von Below: Die wichtigste Neuerung ist zweifelsohne Multitasking. Ich kann also endlich Dinge parallel erledigen, ohne dass meine App im Vordergrund laufen muss. Vor den jetzt vorgestellten Local Notifications musste man selbst für die trivialste Eieruhr immer im Vordergrund bleiben – oder ziemlich aufwendig einen Push-Server aufsetzen. Die anderen Multitasking-APIs folgen ganz klar den meistgewünschten Features: Auch Musik-Apps müssen jetzt nicht immer im Vordergrund bleiben, und es gibt eine energiesparende Methode, um örtliche Veränderungen mitgeteilt zu bekommen. Letzteres ist vor allem für die Navigations-Apps von großer Bedeutung.
Aber es gibt auch ganz viele Kleinigkeiten, die man nicht vergessen darf: Zum Beispiel kann man jetzt endlich auf den Kalender zugreifen, und es wurden weitere APIs von Mac OS auf das iPhone gebracht, wie zum Beispiel das Accelerate Framework.

mac-developer: Wie ist iOS 4 insgesamt zu bewerten?

Von Below: Das iPhone und sein Betriebssystem sind erwachsen geworden. Apple hat sich ja lange gegen Multitasking gewehrt, aber offenbar haben sie die Wünsche von Entwicklern und Benutzern genau beobachtet. iOS 4 kann man schon als wirklich großen Wurf bezeichnen. Und endlich muss ich nicht mehr in den Flugmodus schalten, wenn ich ein Spiel spiele – aus Angst, jemand unterbricht es durch einen Anruf.

mac-developer: Ermöglicht iOS 4 neue Anwendungsszenarien?

Von Below: Auf jeden Fall! Ich glaube, dass durch Local Notifications und die Möglichkeit, endlich über eingehende Anrufe informiert zu werden, Planungssoftware, CRM-Systeme und ähnliche Anwendungen einen gehörigen Schub erfahren werden. Die hatten – jedenfalls für mich – bisher nur begrenzten Nutzen auf dem iPhone. Und natürlich wird Voice-over-IP (VoIP) ein wichtigeres Thema werden. Ich glaube, fast jede Anwendung wird von iOS 4 profitieren können. Da bin ich einfach sehr gespannt, was sich die Entwickler einfallen lassen.

mac-developer: Wurde Multitasking optimal umgesetzt?

Von Below: Das müssen wir erst noch sehen. Das vorgestellte Benutzer-Interface gefällt mir nicht wirklich, ich hoffe, dass sich Apple da noch etwas einfallen lässt. Technisch betrachtet finde ich es überzeugend: Apple hat sich angesehen, was iPhone-Apps eigentlich wirklich im Hintergrund machen müssen, und das API entsprechend beschränkt. Das klingt für mich schon danach, als wäre es ein guter Kompromiss in Bezug auf die arg strapazierte Batterie des iPhone.

mac-developer: Wie bewertest du die angepassten Lizenzbestimmungen?

Von Below: Da erkläre ich zunächst eine gewisse Befangenheit: Als alter Objective-C-Entwickler interessiert mich das nur ganz am Rande, ich kenne auch selbst keine anderen Entwickler, deren Arbeit dadurch betroffen sein wird. Auch sonst bin ich mir nicht sicher, ob das Thema nicht überbewertet wird: Werkzeuge wie Phone Gap oder Unity3D sind von diesen neuen Bestimmungen gar nicht betroffen. Ohnehin glaube ich von jeher, dass man sich auf die Möglichkeit von Flash-Apps nicht verlassen kann: Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Lizenzbestimmungen auch schon früher auf einen solchen Ausschluss hingewiesen haben. Was die Politik angeht, halte ich es im Übrigen für sehr gut möglich, dass die Gründe – wie ein aktuelles Gerücht im Netz behauptet – wirklich technisch im Multitasking liegen. [mjh/jp]

Über den Interviewpartner
Alexander von Below, Jahrgang 1971, schrieb seine ersten Programme für den Mac 1985 auf einem original Macintosh und ist Mac-Entwickler aus Überzeugung. Er entwickelt, berät und unterrichtet im Bereich Soft- und Hardware für OS X und iPhone.

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