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mac-developer: Taugt die Marke „Windows“ als mobiles OS, so wie Sie es mit Windows Phone 7 planen?

Frank Fischer: Ja, selbstverständlich. Zum einen gibt es, rein technisch gesehen, nur wenige universelle Betriebssysteme wie Windows. Von der Hosentasche bis zum Fahrkartenautomaten, vom Netbook bis ins Großrechenzentrum, überall findet man unser OS. Ich sehe immer wieder den Versuch, Windows in die verstaubte, mausgraue PC-Ecke zu schieben, die von der schnellen, bunten Welt des Internets abgehängt wurde. Dabei vergisst man oft, dass einer großer Teil der Weltbevölkerung Windows nutzt, um sich mit dem Internet zu verbinden. Aber das Internet findet nicht nur im Browser statt, sondern lokale Apps nutzen Möglichkeiten der Hardware, gleichen Nachteile des Browsers aus und sind das Front-End für Internet-Dienste. Der Windows-PC war ein Personal Computer mit fenster-orientierter Oberfläche, heute ist es das Fenster zur Personal Cloud.

mac-developer:  Welche Zielgruppen adressiert Microsoft mit Windows Phone 7?

Fischer:  Wir nennen diese Zielgruppe „Live-Maximizer“. Menschen, die Privat- und Berufsleben verbinden, hochgradig mobil sind und einen großen Freundeskreis haben. Sie wissen Technik und Internet-Services sehr gut für sich zu nutzen. Aber Technik ist für sie nur Werkzeug, und nicht Selbstzweck. Die Geräte müssen zweckmäßig, intuitiv und ästhetisch sein, dann dürfen sie auch ein paar Euro mehr kosten.

mac-developer:  Eigenes Betriebssystem, eigener App-Store, eigene Hardware – diese drei Trümpfe machen die Stärke von Apple aus. Wie kann Microsoft dagegen halten, ohne eine reine Kopie zu sein?

Fischer: Ich sehe einen starken Trumpf bei Apple: Das sehr enge Management der Benutzererfahrung und der Applikationsplattform. Hier haben in der Vergangenheit wir keinen guten Job gemacht und ich sehe einige Mitbewerber gerade unsere Fehler wiederholen. Mit Windows Phone 7 haben wir die Benutzererfahrung sehr stark definiert und bekommen für unser Design sehr gutes Feedback. Ebenso haben wir die Applikationsplattform – von den Entwicklungstools über den Shop bis zur Laufzeitumgebung – stark auf mobile Devices ausgelegt. Es wird für Windows Phone 7 einen zentralen Marketplace für Apps und Inhalte geben.
Neben Apples Trümpfen sehe ich auch Herausforderungen. Die Gerätevielfalt ist sehr eingeschränkt. Bei Apple gibt es zum Beispiel keine Tastatur. Hier macht die Zusammenarbeit mit starken Partnern großen Sinn. Microsoft war und ist eine Developer-Company.
Was mir bei Apple auch fehlt ist die Möglichkeit, ein iPhone zum myPhone zu machen. Mein Telefon sieht aus wie mein Telefon. Weil ich andere Menschen kenne, andere Spiele spiele und andere Dinge für wichtig halte. Es ist wichtig und richtig, eine klare und konsistente Designsprache zu haben. Flexibilität sollte jedoch Teil davon sein.
Wir wollen auf keinen Fall ein „Kopierer“ sein. Ich habe vor kurzem die aktuell im Handel befindlichen Geräte nebeneinander gelegt. Mein Gefühl ist, dass alle versuchen, das iPhone zu kopieren. Wenn ich mein Beta-Gerät mit Windows Phone 7 daneben lege, ist das etwas Neues, erfrischend Anderes. Unser Hub-Konzept adressiert typische Problemstellungen der anderen Geräte. Ich habe mein Windows Phone 7 seit ein paar Wochen im Einsatz und will es nicht mehr missen.

mac-developer:  Windows Phone 7 läutet hinsichtlich bestehender Apps einen radikalen Neustart ein. Wie wollen Sie Entwicklern und Anwendern den Wechsel erleichtern?

Fischer:  Ein Wechsel tut weh, und wir haben es uns nicht einfach gemacht. Wenn man sich mit Entwicklern unterhält, die auf dem derzeitigen Windows Mobile 6.5 arbeiten, bekommt man genau 45 Minuten ganz harsche Vorwürfe. Danach wendet sich das Blatt und ich habe es noch nie erlebt, dass wir am Schluss nur unzufriedene Gesichter hatten.
Entwickler sind uns sehr wichtig und deswegen suchen wir diese Diskussion. Wir haben uns zum Beispiel dazu entschieden, die Entwicklerwerkzeuge kostenlos anzubieten. Jedes Tool bietet einen Emulator, mit dem man seine App testen kann, ohne ein Windows-Phone-7-Gerät zu besitzen.
Die Laufzeitumgebungen Silverlight und XNA findet man auf dem PC oder auf der Xbox. Sie sind ausgereift, leistungsfähig, gut bekannt und sehr leicht zu lernen. Daher kann jeder in wenigen Minuten eine kleine App zusammenklicken oder Hardcore-Programmierung mit modernen Mitteln betreiben. Entwickler werden diese Plattform lieben.

Über den Interviewpartner
Frank Fischer leitet den Bereich Mobile Communications bei Microsoft Deutschland. Er ist unter anderem für die Markteinführung von Windows Phone 7 zuständig. Fischer arbeitet seit acht Jahren bei Microsoft und war zuletzt als Senior Manager für den Bereich Marketing und Technologieberatung tätig. Er war auch an der Markteinführung von Windows Vista und Windows 7 beteiligt.

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