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mac-developer: Wohin wird denn die mobile Reise in diesem Jahr gehen?

Heike Scholz: Zweifelsohne: Die Mobilfunkmärkte boomen gerade sehr kräftig, die Schwellenländer steigern ihre Mobilfunkpenetration in einem äußerst rasanten Tempo, die entwickelten Länder verzeichnen hohe Wachstumsraten bei Smartphones, der Trend zur zweiten SIM-Karte hält an und es wurden bereits weltweit viermal mehr Handys als Computer verkauft. Darüber hinaus werden Location Based Services endlich erwachsen und wir werden gute und nutzwertige ortsbasierte Services sehen. Die Kunst dabei wird aber sein, nicht nur ortsbasierte, sondern auch kontextrelevante Dienste zu entwickeln. Denn ortsbasierte Dienste sind nur die halbe Miete. Es ist nämlich nicht nur wichtig, wo sich ein Nutzer befindet, sondern auch, in welchem Kontext er sich gerade befindet. So ist es beispielsweise nicht relevant, dass jemand vor einem Café steht, sondern vor allem, dass er auch hinein geht, um etwas zu verzehren. Es wird also immer wichtiger sein, die Nutzungsgewohnheiten der Endkunden genau zu kennen, so dass man relevante Informationen wie Werbung direkt auf ihre mobilen Endgeräte ausliefern kann.

mac-developer: Welche mobilen Apps werden sich denn in diesem Jahr besonders erfolgreich verkaufen?

Scholz: Ein großer Trend schwappt allmählich aus Japan zu uns herüber und heißt „Mobile Games“, die gerade extrem zunehmen in Sachen Qualität und Quantität. Das hat vor allem mit dem Ausbau der technischen Features und Kapazitäten von Smartphones zu tun. Denn mit eingebauten Beschleunigungssensoren, leistungsfähigen GPS-Chips, Kompassfunktionen und anderen Dingen lassen sich ganz neue Spiele entwickeln. Unterstützend kommt natürlich hinzu, dass die Internet-Gadgets immer leistungsfähiger werden, sowohl bei der Prozessor- als auch bei der Grafikleistung. Aber auch Flash-basierte Games sind hier zu nennen, die derzeit noch völlig unterentwickelt sind, aber ein enormes Wachstumspotenzial bieten. Zudem entstehen immer öfter Spiele, die im Marketing-Umfeld zu Werbezwecken eingesetzt werden, um Marken zu stärken und zu kommunizieren. Die VW-App ist hier als ein gutes Beispiel zu nennen. Des Weiteren sehe ich einen großen App-Bedarf in Sachen Unterhaltung: Alles, was mit Videos, (Hör-)büchern, Musik et cetera zu tun hat, wird neue mobile Anwendungen erforderlich machen, um diese Inhalte sinnvoll und bedienerfreundlich aufzubereiten und anzubieten. In diesem Umfeld wird sicherlich auch das Apple iPad ein wichtige Rolle spielen.

mac-developer: Wie schätzen Sie in diesem Zusammenhang die Rolle der großen und kleineren Medienhäuser in Sachen Bezahl-Apps ein?

Scholz: Das Kerngeschäft von Medienhäusern besteht ja nicht darin, mit Apps Geld zu verdienen, sondern ihre Leser und Kunden mit Content, aber auch mit Services zu beglücken. Viele Medienunternehmen haben allerdings ein großes Problem: Sie bestimmen nicht mehr allein die Distributionswege ihrer Inhalte. Denn hier wollen auch Gerätehersteller – wie zum Beispiel Apple mit dem iTunes Store oder dem iPad –, aber auch die Telekommunikationsanbieter eine gewichtige Rolle spielen. Denn die haben ebenfalls ein großes Interesse daran, Content an ihre Kunden auszuliefern. Darüber hinaus haben die Medienanbieter das Monopol auf Nachrichtenerzeugung und -verteilung durch das Internet endgültig verloren und sehen sich von vielen Seiten angegriffen. Obendrein haben sie es in den vergangenen Jahren wesentlich versäumt, tragfähige und erfolgreiche Online-Strategien zu entwickeln, und versuchen nun, dies mit mobilen Apps zu kompensieren. Sie werden allerdings große Probleme haben, Nachrichten erfolgreich als „Paid Content“ zu verkaufen, da Nachrichten mittlerweile immer irgendwo im Netz kostenfrei abrufbar sind, und das meist viel schneller als über die klassischen Kanäle (Stichwort: Twitter). Außerdem werden die Nutzer nicht innerhalb der mobilen Apps verweilen, sondern das gesamte mobile Internet nutzen wollen, um den Zugang zu kostenfreien Angeboten zu suchen – und diese auch zu finden. Folglich werden Medienverlage mit bezahlten Inhalten nur dann wirklich erfolgreich sein, wenn sie einzigartigen und wirklich relevanten Content produzieren und ihn plattformunabhängig verteilen können.

mac-developer: Was also sollten Entwickler tun, um in diesem schnelllebigen und sich ständig verändernden App-Markt nicht völlig unterzugehen?

Scholz : Eine wichtige Voraussetzung ist natürlich, dass sie ihr Handwerk bestmöglich verstehen und wirklich gute und innovative Ideen haben, die sie mit möglichst vielen Leuten teilen sollten. Denn zu schnell hat man sich in eine Idee verrannt, die sich am Ende als Hirngespinst entpuppt. Und erst dann, wenn das Businessmodell und klar umschriebene Pläne für das App-Marketing stehen, sollte mit der eigentlichen App-Entwicklung angefangen werden. Wichtige Fragen vor und während der Entwicklung können beispielsweise lauten: Kennst du deine Zielgruppe? Wer wird die mobile App überhaupt einsetzen? Worin genau besteht der Nutzen für die mobilen Anwender? Welche Informationsquellen nutzen die Anwender? Kennst du die richtigen Influencer? Auf wen hören die Nutzer bei ihrer Kaufentscheidung und wessen Empfehlungen vertrauen sie auch wirklich? Wichtig ist es also, relevante meinungsbildende Anwender wie Blogger und andere Multiplikatoren mit exklusiven (Vorab-)Informationen zu versorgen. Diese „Sprachorgane“ sollten, wenn möglich, vor und während der App-Entwicklung in die Überlegungen zu der App einbezogen werden. So könnte beispielsweise eine wichtige Maßnahme das Durchführen eines Beta-Tests mit Hilfe dieser „Influencer“ sein. Hierzu ist natürlich eine ganze Menge an Fleißarbeit nötig, aber mit den aktuellen Social-Media-Tools wie Twitter, Facebook und anderen Diensten kann man recht einfach die richtigen Kontakte herstellen und pflegen, Vertrauen schaffen und diese Multiplikatoren zu seinen Verbündeten machen.

mac-developer: Wird 2010 also endlich das schon so lange prognostizierte mobile Jahr werden?

Scholz: Im Grunde sagen wir das ja schon seit Jahren voraus, und wurden jedes Jahr aufs Neue vom Gegenteil überzeugt. Aber dieses Jahr wird es wohl endlich so weit sein, dafür werden schon die großen Player wie Apple, Google, Nokia, RIM, T-Mobile und Co. mit neuen Geräten, neuen Diensten und noch schnelleren Infrastrukturen sorgen. Keep fingers crossed! [mjh/jp]

Über die Interviewpartnerin
Heike Scholz ist Herausgeberin von mobile zeitgeist , dem führenden deutschsprachigen Weblog zu Mobile Business. Die Themen reichen von Marktzahlen über Trends bis hin zu Applikationen, Services und Technologien. Darüber hinaus berät Scholz Unternehmen zu mobilen Strategien und begleitet operativ die Umsetzung der Konzepte. Hierbei liegt einer ihrer Schwerpunkte im optimierten Einsatz von Social-Media-Instrumenten.

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