Hallo zusammen, im Zuge der letzten Diskussion, die wir wegen Facebook hatten, habe ich mir noch einmal Gedanken zum Thema Anonymität und Privatsphäre gemacht. Die Headline spiegelt nicht unbedingt meine Meinung wider, sondern soll einfach als provokante Anfangsthese stehen. Gibt es überhaupt noch Anonymität? Wenn ja, was für einen nutzen hat diese in einer immer transparenter werdenden Welt? Und hat am Ende Mark Zuckerberg doch recht, wenn er behauptet, Privatsphäre ist überflüssig? In letzter Zeit überkommt mich immer häufiger der Gedanke, dass wir in einer Transitionsphase leben, in der Anonymität gerade noch gehalten werden kann, aber schon in den nächsten Jahren aufgrund der enormen Datenflüsse dieses Versprechen nicht mehr gehalten werden kann. Was glaubt ihr?
Die Privatsphäre ist nicht tot. Viele Menschen entscheiden sich aber heute dafür, ihre Privatsphäre deutlich zu verkleinern. Sei es für Geld (z.B. Payback) oder aus sozialen Anreizen (Facebook,..) Auch die größten Social Network Junkies hier auf ck werden vermutlich eine Grenze haben, über die hinaus sie keine Informationen preisgeben.
Das Problem liegt meiner Meinung nach eher darin, dass viele Leute diese Verkleinerung überhaupt nicht bemerken.
Also in dem Facebookthread habe ich ja meine Bedenken schon mitgeteilt, was die Beschneidug der Privatsphäre angeht. Allerdings finde ich, dass ein gewisser Verlust von Anonymität auch positive Auswirkungen haben kann. Als Beispiel würde ich hier die personalisierte Werbung sehen. Viele Leute meckern drüber, aber ich finde das noch gut. Was will ich mit Makeup-Werbung oder Zalando-Werbung? Ist doch besser, wenn stattdessen Conrad- oder MediaMarkt-Werbung kommt, oder (Marken nur als Beispiel...)? Das sehe ich nicht als Nachteil, denn ich muss die Werbung dann ja nicht unbedingt beachten. Ebenso können viele vielleicht einen gewissen Verlust von Anonymität in den Social Networks für ganz positiv halten, denn schliesslich kann man dann evtl. von alten Bekannten oder aber auch Gleichgesinnten gefunden werden... Sobald die offengelegte Privatsphäre allerdings tatsächlich zum Nachteil gereicht (z.B. Screening bei Bewerbungsverfahren), sehe ich das als gefährlich an. Also ich würde somit sagen, eine gewisse Restanonymität ist definitiv nötig, um keine Nachteile zu haben!
Ich finde das eigentlich recht einfach. Wenn ich mich in einem sozialen Netzwerk mit meinem richtigen Namen anmelde, dann bin ich innerhalb dieses Netzwerks nicht anonym. In anderen Communities melde ich mich nur über einen Nickname an und bin dort dann auch (wenn ich es richtig mache, bzw. darauf auslege) nur bis zu dem Benutzernamen zurück verfolgbar.
Privatsphäre ist ein ganz anderes Thema. Selbst bei Facebook hat man Privatsphäre, wenn man das wünscht. Bisher hatte ich noch niemanden bei mir vor der Tür stehen, der mich zwingt die FKK-Biilder vom letzten Urlaub für alle zugänglich bei Facebook hochzuladen.
Weder Anonymität noch Privatsphäre ist tot, viele entscheiden sich aber einfach dafür, dass sie davon keinen Gebrauch machen. Das ist für mich auch der Punkt, bei dem man ansetzen müsste, dass vor allem den jüngeren Mitmenschen klar wird, wie solche Daten auch missbraucht werden könnten und was man lieber auf seiner heimischen Festplatte lässt.